560.000 Euro für ein zweifelhaftes, weit überteuertes Objekt. Es werden immense Summen in den Tiergarten investiert. Woher die Gelder stammen ist nicht immer nachvollziehbar. Nach weniger als sechs Jahren ist ein Teil der sog. Afrikaanlage bereits einsturzgefährdet.

Afrikaanlage im Tiergarten Straubing

Afrika-Anlage für Watussirinder und Steppenzebras für rund 560000 Euro (?)

23.April 2009 Straubinger Tagblatt

Auch wenn das Wetter am Donnerstagmittag nicht ganz savannentauglich war, die Vertreter des Tierparks und deren Förderer strahlten dennoch mit den Ehrengästen und Vertretern der Stadt um die Wette, stand doch die Einweihung der neuen Afrika-Anlage im Zoo auf dem Programm. Tierparkleiter Wolfgang Peter zeigte sich begeistert von der ansprechenden Afrika-Optik für die Besucher und der Tatsache, dass den afrikanischen Huftieren nun eine größere Bewegungsfläche zur Verfügung steht. Oberbürgermeister Markus Pannermayr und Bezirkstagsvizepräsident Franz Schedlbauer outeten sich als große Freunde des Tiergartens und gratulierten zur gelungenen Maßnahme.

Es war kein alltäglicher Job, der Markus Pannermayr am Donnerstag erwartete: Gemeinsam mit den Tierpflegern hatte der OB die ehrenvolle Aufgabe, die Watussirinder und Steppenzebras aus dem sanierten Stallgelände in ihr neues Freigelände zu lassen. Eine Premiere für die Huftiere war dies zwar nicht, die Vierbeiner durften ihr neues Außendomizil bereits testen - sie zeigten aber dennoch den zahlreich versammelten Gästen, dass sie sich dort im wahrsten Sinne des Wortes tierisch wohlfühlen und jagten im fröhlichen Galopp zwischen den liebevoll mit afrikanischen Motiven bemalten Felsen umher.

Trommelklänge gab es dazu von der Klasse 4c der Grundschule St. Josef, die die Einweihung der Afrika-Anlage musikalisch umrahmte und auch den passenden Rhythmus lieferte, als Tiergartenleiter Peter, OB Markus Pannermayr, Bürgermeisterin Maria Stelzl, die Vorsitzende des Vereins Freunde des Tiergartens Johanna Irrgang-Uschold sowie Bezirkstagsvizepräsident Franz Schedlbauer gemeinsam das weiß-blaue Band des schilfgedeckten Pavillons durchschnitten und so die Afrika-Anlage für eröffnet erklärten.

Mehr Fläche für die Tiere

Zuvor freute sich Peter über die Vielzahl von Gästen und Ehrengästen und bedankte sich bei der Stadt und den beteiligten Architekten und Firmen für die hervorragende Zusammenarbeit. Er erläuterte das Konzept: "Wir wollten eine Groß-Anlage schaffen, die den Tieren mehr Fläche zur Verfügung stellt als vorher." Dies sei erreicht worden durch die Zusammenlegung etlicher Kleingehege, die Wegnahme eines Besucherweges und die Zurückverlagerung des Vorplatzes vor dem ehemaligen Streichelgehege. Dadurch sei eine Fläche von rund 4500 Quadratmetern entstanden, der jedem einzelnen Tier nun einen größeren Bewegungsspielraum als vorher sowie interspezifische Aktionen ermögliche. Das bedeutet, dass verschiedene Tierarten miteinander in einem Gehege leben und miteinander kommunizieren können. Geschaffen wurden außerdem drei nicht einsehbare Vorgehege - zum Beispiel für Muttertiere oder Vierbeiner, die tierärztlich behandelt werden müssen.

Komplett entkernt seien die beiden Stallungsgebäude worden. Alle Wände und Dächer wurden erneuert und fachgerecht isoliert, durch eine Pellet-Heizung sei eine kostengünstige Beheizung der Gebäude möglich. Für afrikanische Stimmung sorge die Verkleidung mit Halbrundstämmen und der neue Bodenaufbau. "Man soll sich sowohl als Tier in der Anlage als auch als Besucher wohlfühlen", wünschte sich der Tiergartenchef, der freudestrahlend einen neuen Besucherrekord von über 14000 Gästen an den Osterfeiertagen verkünden konnte.

Zoo ist Besuchermagnet

Der Oberbürgermeister bezifferte die Investitionssumme mit rund 560000 Euro. "Diese geglückte Maßnahme wurde über Erbschaftsmittel finanziert." Er bezeichnete den Tiergarten als Besuchermagnet, der Gäste in die Gäubodenstadt locke, aber auch Einheimischen Erholung biete. "Menschen aller Generationen fühlen sich hier wohl - das zeigt die Zahl von 288000 Besuchern im Jahr 2008!" Bezirkstagsvizepräsident Schedlbauer räumte bei seinem Grußwort die Gerüchte aus dem Weg, der Bezirk werde sich in Sachen Förderung des Zoos zurückziehen: "Wir werden auch weiterhin unseren Zuschuss leisten, denn der Bezirk steht zum Tiergarten Straubing." Und ebenso wie Pannermayr betonte er seine Verbundenheit: "Nicht nur ich, sondern der ganze Bezirk ist ein Freund des Tierparks!"

Quelle: Straubinger Tagblatt vom 24. April 2009

Warum die Anlage 560.000 Euro Baukosten verursachte, obwohl keine wesentlichen Gebäudearbeiten ausgeführt wurden, ist nicht nachvollziehbar.